Konflikte gehören zum Leben. Sie entstehen in Partnerschaften und Familien, unter Freund:innen, in der Nachbarschaft und natürlich auch im beruflichen Umfeld. Oft beginnt ein Konflikt nicht mit einem großen Streit. Viel früher zeigen sich kleine Veränderungen: Gespräche werden vermieden, jemand zieht sich zurück, Bemerkungen werden persönlich oder das Vertrauen nimmt ab.
Der Konfliktforscher Friedrich Glasl beschreibt Konflikte als einen Prozess, der sich über mehrere Eskalationsstufen entwickelt. Je früher ein Konflikt erkannt wird, desto größer sind die Möglichkeiten, gemeinsam konstruktive Lösungen zu finden.
7 Warnsignale, bevor Zusammenarbeit und Leistung leiden
I. Schwierige Themen werden nicht mehr offen angesprochen
Wenn heikle Themen immer wieder vermieden werden, entsteht leicht eine scheinbare Ruhe. Nach außen wirkt alles in Ordnung – die Spannung bleibt jedoch bestehen.
Ruhe bedeutet nicht automatisch Harmonie.
II. Sachliche Diskussionen werden persönlich
Unterschiedliche Meinungen sind normal. Kritisch wird es, wenn nicht mehr über das Thema, sondern über die Person gesprochen wird. Damit verschiebt sich der Konflikt von der Sache auf die Beziehung und wird meist schwieriger zu lösen.
III. Zusammenarbeit wird durch Vermeidung ersetzt
Ein häufiges Warnsignal ist zunehmender Rückzug.
Mitarbeitende kommunizieren nur noch das Notwendigste, Gespräche werden vermieden und Kooperation nimmt ab.
Kurzfristig scheint diese Strategie Konflikte zu reduzieren. Langfristig verstärkt sie jedoch häufig die Distanz und verhindert eine gemeinsame Lösung.
IV. Es entstehen Lager und Schuldzuweisungen
Wenn Konflikte eskalieren, verändert sich oft die Denkweise:
Nicht mehr: „Wie lösen wir gemeinsam das Problem?“
sondern: „Wer ist dafür verantwortlich?“
Schuldzuweisungen, Rechtfertigungen und gegenseitige Vorwürfe nehmen überhand, wird eine gemeinsame Lösung schwieriger.
V. Offenheit und Vertrauen nehmen ab
Konflikte können dazu führen, dass Menschen vorsichtiger werden. Informationen werden zurückgehalten, Aussagen hinterfragt oder persönliche Dinge nicht mehr geteilt. Das kann überall passieren, in einer Partnerschaft, ebenso wie in einer Freundschaft oder im Team.
Vertrauen sinkt, dann wird die Zusammenarbeit anstrengender.
VI. Führungskräfte vermeiden schwierige Gespräche
Viele Konflikte verschärfen sich nicht durch den ursprünglichen Anlass, sondern dadurch, dass niemand sie anspricht.
Konflikte verschwinden jedoch selten von selbst. Professionelle Führung bedeutet auch, schwierige Gespräche rechtzeitig und strukturiert zu ermöglichen.
VII. Der Konflikt wird zum Dauerzustand
Ein besonders deutliches Zeichen ist, wenn Konflikte nicht mehr als Ausnahme wahrgenommen werden, sondern zum Alltag gehören. Sätze wie „Das ist bei uns eben so“ zeigen, dass sich ein Konflikt möglicherweise bereits verfestigt hat.
Es ist bereits ein Muster entstanden, das ohne gezielte Intervention schwer durchbrochen wird.
Wann ist externe Unterstützung sinnvoll?
Eine externe Konfliktbegleitung kann besonders hilfreich sein, wenn:
- Gespräche zwischen Beteiligten festgefahren sind
- Konflikte wiederholt auftreten
- Führungskräfte zwischen Parteien vermitteln müssen
- die Zusammenarbeit dauerhaft belastet ist
- wichtige Entscheidungen blockiert werden
Mediator:innen schaffen einen strukturierten Rahmen, in dem auch schwierige Themen konstruktiv bearbeitet werden können.
Sie haben noch Fragen? Das Konfliktklar-Team ist gerne für Sie da!
Quellen:
Glasl, F. (2020): Konfliktmanagement. Ein Handbuch für Führungskräfte, Beraterinnen und Berater.
Edmondson, A. (1999): Psychological Safety and Learning Behavior in Work Teams. Administrative Science Quarterly, 44(2), 350–383.
De Wit, F. R. C., Greer, L. L., & Jehn, K. A. (2012): The Paradox of Intragroup Conflict: A Meta-Analysis. Journal of Applied Psychology, 97(2), 360–390.
Lencioni, P. (2002): The Five Dysfunctions of a Team.
Kommentar hinzufügen
Kommentare